Skip to content
Fortgeschrittenen-Guide

Bitcoin SOPR erklärt: Was ausgegebene Outputs verraten und was nicht

Was der Bitcoin SOPR misst, wie die Kennzahl berechnet wird, was Werte über und unter 1 bedeuten und warum ein bewegter Coin noch kein Verkauf ist.

8 Min. LesezeitBitcoinOn-ChainSOPR

SOPR steht für Spent Output Profit Ratio. Die Kennzahl vergleicht, wie viel die in einem Zeitfenster ausgegebenen Bitcoin beim Ausgeben in US-Dollar wert waren, mit ihrem Dollarwert bei ihrer Entstehung. Ein Wert von 1,02 heißt: Die Outputs, die in diesem Fenster ausgegeben wurden, waren beim Ausgeben in Summe 2 % mehr wert als bei ihrer Entstehung.

Mehr steckt in der Definition nicht, und sie ist enger, als der Name klingt. „Profit“ ist hier ein rechnerischer Vergleich zweier Preisreferenzen, kein Protokoll eines Trades. Coins werden aus allen möglichen Gründen bewegt: Zahlungen, interne Umbuchungen von Börsen, jemand schiebt Guthaben zwischen eigenen Wallets hin und her. SOPR zählt alles mit. Wenn du das im Kopf behältst, ist die Kennzahl nützlich. Vergisst du es, erzählt sie dir Geschichten, die die Daten nicht hergeben.

Was misst der Bitcoin SOPR?

SOPR schaut auf einen einzigen Ausschnitt der Blockchain: Coins, die ausgegeben wurden. Alles, was im selben Zeitraum liegen geblieben ist, sieht die Kennzahl nicht.

Was ist ein ausgegebener Output?

Bitcoin führt keine Kontostände. Das Netzwerk verwaltet sogenannte UTXOs, unspent transaction outputs: einzelne BTC-Beträge, jeweils an ein Skript gebunden und dem Block zugeordnet, in dem sie entstanden sind. Eine Transaktion verbraucht einen oder mehrere dieser Outputs als Inputs und erzeugt neue. Ein verbrauchter Output gilt als ausgegeben und lässt sich nie wieder verwenden (Bitcoin Developer Guide: Transactions).

Der Haken: Ein Output lässt sich nicht teilweise ausgeben. Angenommen, deine Wallet hält einen einzigen Output über 1 BTC und du überweist jemandem 0,2 BTC. Dann wird der komplette Output über 1 BTC verbraucht. Die Transaktion schickt 0,2 BTC an den Empfänger und die restlichen 0,8 BTC, abzüglich Gebühr, als neuen Wechselgeld-Output an dich zurück. Für SOPR zählt der komplette Output über 1 BTC, obwohl nur ein Fünftel davon deine Hände verlassen hat. Wie das UTXO-Modell im Detail funktioniert, steht im Guide zu den Grundlagen der On-Chain-Analyse.

Welche Coins fließen in einen Tageswert ein?

Nur Outputs, die innerhalb des Fensters ausgegeben wurden. Bei CoinVett ist das Fenster 24 Stunden lang. Ein täglicher SOPR-Wert beschreibt also die Outputs, die an diesem Tag verbraucht wurden, sonst nichts. Ein Coin, der seit 2017 in einer Cold Wallet liegt, beeinflusst die Zahl erst an dem Tag, an dem er bewegt wird. Genau das unterscheidet SOPR von Kennzahlen wie MVRV, die das gesamte Angebot auf einmal betrachten.

Die Stichprobe ist also jeden Tag eine andere: Der Wert vom Montag und der vom Dienstag beschreiben zwei verschiedene Mengen an Coins.

Wie wird SOPR berechnet?

Glassnode, einer der bekanntesten Anbieter von On-Chain-Daten, definiert SOPR als realisierten Wert eines ausgegebenen Outputs in USD geteilt durch den USD-Wert des ursprünglichen UTXO bei seiner Entstehung (Glassnode: SOPR). Für einen ganzen Tag werden beide Seiten über alle ausgegebenen Outputs aufsummiert und erst dann geteilt:

SOPR = Summe der USD-Werte der ausgegebenen Outputs beim Ausgeben ÷ Summe der USD-Werte derselben Outputs bei ihrer Entstehung

Keiner der beiden Werte steht auf der Blockchain. Das Ledger speichert Beträge und Blockzeiten, aber keine Preise. Die Dollarbeträge stammen aus einer BTC/USD-Preishistorie, die dem Entstehen und dem Ausgeben jedes Outputs zugeordnet wird. Der „Wert bei Entstehung“ ist also der damalige Marktpreis mal Betrag. Was jemand tatsächlich bezahlt hat, ist darin nicht enthalten.

Ein hypothetisches Beispiel mit zwei Outputs

Die Zahlen sind ausgedacht, damit die Rechnung übersichtlich bleibt. Angenommen, an einem Tag werden nur zwei Outputs ausgegeben, und der Referenzpreis liegt an diesem Tag bei 60.000 US-Dollar.

  • Output A: 0,5 BTC, entstanden bei einem Referenzpreis von 40.000 US-Dollar. Wert bei Entstehung 20.000, Wert beim Ausgeben 30.000 US-Dollar. Quotient 1,50.
  • Output B: 2 BTC, entstanden bei einem Referenzpreis von 70.000 US-Dollar. Wert bei Entstehung 140.000, Wert beim Ausgeben 120.000 US-Dollar. Quotient rund 0,86.

Bildest du den Durchschnitt der beiden Quotienten, landest du bei etwa 1,18. Sieht nach einem Gewinntag aus, ist aber falsch gerechnet. SOPR teilt die Summen: 150.000 US-Dollar beim Ausgeben gegen 160.000 bei Entstehung, macht 0,94. Output B ist viermal so groß wie Output A und bestimmt deshalb das Ergebnis. Wer erst die Dollarwerte addiert, gewichtet jeden Output nach seiner Größe, und nur das ergibt bei einer aggregierten Kennzahl Sinn.

Achte auch darauf, was die 0,94 nicht aussagt. Sie bedeutet nicht, dass „der Markt“ Geld verloren hat. In dieser winzigen Stichprobe war der größere Output eben bei einem höheren Referenzpreis entstanden. Mehr nicht.

Was ändert sich beim adjusted SOPR?

Glassnode veröffentlicht zusätzlich den adjusted SOPR, kurz aSOPR. Die Formel ist dieselbe, allerdings fliegen alle Outputs raus, die beim Ausgeben jünger als eine Stunde waren (Glassnode: aSOPR). Sehr junge Outputs, oft Wechselgeld oder Coins, die zwischen Adressen hin- und hergeschoben werden, liegen fast zwangsläufig nahe 1, weil sich der Preis innerhalb einer Stunde kaum bewegt. Nimmt man sie heraus, verschiebt sich das Ergebnis.

Die beiden Reihen sind verwandt, aber nicht austauschbar. Prüf also, welche ein Chart zeigt. CoinVett zeigt keinen aSOPR an.

Was bedeuten Werte über, unter und um 1?

Über 1, unter 1, ungefähr 1

Rein rechnerisch ist die Lesart einfach:

  • Über 1: Die im Fenster ausgegebenen Outputs waren beim Ausgeben in Summe mehr wert als bei ihrer Entstehung.
  • Unter 1: Sie waren weniger wert.
  • Ungefähr 1: Beide Bewertungen liegen nah beieinander. Das kommt etwa vor, wenn viele der bewegten Coins erst kürzlich zu ähnlichen Preisen entstanden sind.

Wie es einer einzelnen Person geht, verrät keiner dieser Werte. Ein SOPR von 1,05 passt auch zu einem Tag, an dem Tausende kleiner Outputs unter ihrem Entstehungswert ausgegeben wurden, solange ein paar große, alte Outputs mit kräftigem Plus bewegt wurden. Weil ein großer Output Tausende kleine aufwiegen kann, hängt ein einzelner Tageswert manchmal an einer Handvoll Transaktionen.

Du wirst Kommentare finden, die Bewegungen um 1 als Marktsignal deuten. Das ist Interpretation, die auf die Rechnung draufgesetzt wird, und die Rechnung selbst trägt keine Timing-Regel.

Einzelwert oder Zeitreihe

Ein Tageswert ist eine Momentaufnahme eines Fensters. Bevor du etwas hineinliest, prüf zwei Dinge: auf welches Datum sich die Daten beziehen und welches Fenster sie abdecken. Ein Wert mit dem gestrigen Datum beschreibt die gestern ausgegebenen Outputs, nicht das, was gerade passiert.

Eine Zeitreihe liefert mehr Kontext als jeder Einzeltag, weil du siehst, ob ein Wert ungewöhnlich ist oder in seiner üblichen Spanne liegt. Kontext ist aber keine Prognose: Eine Reihe von Tagen über 1 beschreibt die Vergangenheit und sagt über morgen nichts Verlässliches.

Was SOPR nicht kann

Bewegt heißt nicht verkauft

Das ist die wichtigste Einschränkung. Ein ausgegebener Output beweist, dass eine Transaktion ihn verbraucht hat. Er beweist keinen Besitzerwechsel, keinen Verkauf an einer Börse und keinen Gewinn, der auf irgendeinem Bankkonto landet.

Stell dir eine Börse vor, die Tausende kleiner Einzahlungs-Outputs auf eine Cold-Storage-Adresse zusammenlegt. Die Coins bleiben beim selben Unternehmen, trotzdem gilt jeder dieser Outputs als ausgegeben und wird mit dem heutigen Preis gegen seinen Entstehungspreis bewertet. Sind die Einzahlungen Monate alt und der Kurs seitdem gestiegen, geht SOPR nach oben. Verkauft wurde nichts. Dasselbe passiert, wenn jemand, der seine Coins seit Jahren hält, sie auf eine neue Hardware-Wallet umzieht: Die alten Outputs werden ausgegeben, neue entstehen, und deren Entstehungspreis springt auf das aktuelle Niveau.

Das gilt auch umgekehrt. Handeln zwei Kunden derselben Börse miteinander, ändert die Börse in der Regel nur ihre eigene Buchhaltung, und die Blockchain bekommt davon nichts mit. Die EZB nennt solche Trades, die nur in den Büchern einer Handelsplattform stehen, Off-Chain-Transaktionen (EZB, Economic Bulletin 5/2019). Viele echte Verkäufe tauchen im SOPR deshalb gar nicht auf. Korrekt formuliert heißt es „Outputs wurden in Summe mit Gewinn ausgegeben“, nicht „Anleger haben Gewinne mitgenommen“.

Verschiedene Anbieter, verschiedene Versionen

SOPR ist ein Konzept, kein Standard mit einer verbindlichen Referenzimplementierung. CoinVett liest die Reihe sopr_24h aus dem Bitcoin Research Kit (BRK), einer Open-Source-Software, die On-Chain-Kennzahlen aus einem Bitcoin-Node berechnet (BRK auf GitHub). Laut BRK-Dokumentation teilt die Reihe den Wert beim Ausgeben durch den Wert am Entstehungsdatum, und zwar für alle Outputs, die in den zurückliegenden 24 Stunden ausgegeben wurden (BRK: sopr_24h). Wie in der Methodik von CoinVett beschrieben, ist ein selbst betriebener Node die bevorzugte Quelle; ist keiner erreichbar, liefert die öffentliche BRK-Instanz auf bitview.space die Daten.

Gleiche Idee wie bei Glassnode, aber nicht zwingend dieselbe Umsetzung. Preisquellen, Tagesgrenzen und Sonderfälle können abweichen. Liegen zwei Charts in der dritten Nachkommastelle auseinander, ist deshalb nicht zwingend eines davon falsch.

So liest du den Bitcoin SOPR auf CoinVett im Zusammenhang

Die Bitcoin-Seite zeigt SOPR neben MVRV, NUPL und Realized Price, dazu den Datenstand, für jede Kennzahl eine 30-Tage-Spanne und die Quelle der Messung. Hat der Sync keinen aktuellen Wert, kann die Zahl fehlen oder veraltet sein. Schau also zuerst aufs Datum, dann auf die Zahl.

Die vier Kennzahlen messen Verschiedenes. Im On-Chain-Block der Bitcoin-Seite stehen sie deshalb nebeneinander und werden nicht zu einem Score verrechnet:

  • SOPR beschreibt die Outputs, die in einem 24-Stunden-Fenster ausgegeben wurden.
  • Der Realized Price ist die Kostenbasis des gesamten Angebots, gemessen daran, wann jeder Coin zuletzt bewegt wurde.
  • MVRV setzt den Marktwert ins Verhältnis zu diesem realisierten Wert.
  • NUPL drückt den unrealisierten Gewinn oder Verlust des gesamten Angebots im Verhältnis zum Marktwert aus.

Wenn SOPR und MVRV in verschiedene Richtungen zu zeigen scheinen, liegt das meist daran, dass sie unterschiedliche Coins betrachten, nicht daran, dass eine von beiden kaputt ist. Aus der Kombination ein Handelssignal zu basteln, hieße, etwas in die Daten hineinzulesen, das dort nicht steht.

SOPR beantwortet eine enge Frage, und die ziemlich gut: Wie waren die Outputs, die in diesem Fenster ausgegeben wurden, im Vergleich zu ihrer Entstehung bewertet? Wer verkauft hat, warum die Coins bewegt wurden und wohin der Kurs als Nächstes geht, sind andere Fragen. Darauf hat die Zahl keine Antwort.

Häufige Fragen

Beweist ein SOPR über 1, dass Bitcoin mit Gewinn verkauft wurde?

Nein. Er zeigt nur, dass die im Fenster ausgegebenen Outputs beim Ausgeben in Summe mehr wert waren als bei ihrer Entstehung. Darunter sind auch Eigenüberweisungen, Wechselgeld und interne Umbuchungen von Börsen. Ob jemand verkauft hat und zu welchem persönlichen Einstandspreis, lässt sich aus der Zahl nicht ablesen.

Worin unterscheidet sich SOPR von MVRV und NUPL?

SOPR betrachtet nur Coins, die in einem bestimmten Fenster ausgegeben wurden. MVRV und NUPL beschreiben das gesamte Angebot und stützen sich auf den realisierten Wert aller Coins. Die Guides zu MVRV und NUPL erklären beide ausführlich.

Ist der SOPR auf CoinVett derselbe wie der aSOPR von Glassnode?

Nein. CoinVett zeigt die Reihe sopr_24h aus dem Bitcoin Research Kit. Laut BRK-Dokumentation nutzt sie alle ausgegebenen Outputs, auch solche, die jünger als eine Stunde sind. Der Ein-Stunden-Filter kennzeichnet den adjusted SOPR (aSOPR), wie ihn Glassnode dokumentiert. BRK berechnet mit der Reihe asopr_24h eine eigene Version davon, die CoinVett nicht anzeigt.

Hinweis: Die Zahlen beschreiben historische On-Chain-Daten, die Quellen sind im Text verlinkt. Nur zur Information, keine Anlageberatung.

Passende Coins zum Vertiefen

Du willst tiefer einsteigen? Öffne diese Coin-Seiten für Marktdaten und KI-Analysen.

Verwandte Guides

Diese Guides greifen ähnliche Themen auf und passen gut als nächster Schritt.

Bereit, das Gelernte umzusetzen?

Der Krypto-Profil-Finder hilft dir, auf Basis deiner Antworten eine edukative Profilkategorie zu erkunden.

Weiterlernen

Bitcoin-UTXOs erklärt: Inputs, Outputs und Wechselgeld

Nächster Guide →
Redaktionsteam

CoinVett Team

Das CoinVett-Redaktionsteam verbindet Kryptomarkt-Expertise mit KI-gestützten Analyse-Tools.

Diese Website verwendet nur technisch notwendige Cookies. Kein Tracking, kein Analytics.