Die Gebühr einer Ethereum-Transaktion ergibt sich aus den Gas-Einheiten, die die Transaktion tatsächlich verbraucht, mal dem Preis pro Einheit. Dieser Preis setzt sich aus einer vom Protokoll festgelegten Base Fee und einem Tip für den Validator zusammen. Bezahlt wird in ETH, der nativen Währung von Ethereum.
Das Gas Limit, das dir deine Wallet anzeigt, ist etwas anderes. Es begrenzt, wie viel Rechenarbeit die Transaktion leisten darf, und ist nicht der Betrag, der dir berechnet wird. Wer beides verwechselt, hält eine Gebühr schnell für viel höher, als sie ist.
Alles hier bezieht sich auf das Ethereum-Mainnet, also das Hauptnetz, in dem ETH selbst liegt. Layer-2-Netzwerke rechnen anders ab.
Was misst Gas?
Gas ist eine Einheit für Rechenaufwand. Jede Transaktion zahlt zunächst Grundkosten dafür, dass sie überhaupt verarbeitet wird; die Spezifikation nennt das Intrinsic Gas. Dazu kommt für jeden Schritt, den die Ethereum Virtual Machine (EVM) für sie ausführt, eine bestimmte Menge Gas (ethereum.org: Gas and fees, EIP-1559). Die Gebühr sorgt dafür, dass Rechenleistung nicht gratis ist. Sonst könnte jeder das Netz mit Müll fluten oder Code in eine Endlosschleife schicken.
Gas-Einheiten und Gaspreis
Hier stecken zwei getrennte Größen drin.
- Gas-Einheiten messen, wie viel Arbeit erledigt wurde. Mit der Nachfrage ändern sie sich nicht. Eine einfache ETH-Überweisung an ein gewöhnliches Konto ohne Contract-Code verbraucht nach den heutigen Mainnet-Regeln 21.000 Einheiten, egal ob im Netz gerade viel oder wenig los ist. Geht ETH an einen Smart Contract oder an eine Wallet, die per EIP-7702 an Contract-Code delegiert, läuft dieser Code mit, und es wird teurer (ethereum.org: Transactions). Ein Swap auf einer dezentralen Börse führt mehr Code aus und verbraucht mehr.
- Der Gaspreis ist das, was jede Einheit kostet, und der schwankt mit der Nachfrage. Angegeben wird er in Gwei. Ein Gwei ist ein Milliardstel ETH (0,000000001 ETH).
Stell dir ein Taxi vor: Die Strecke ist das verbrauchte Gas, der Kilometerpreis ist der Gaspreis. Dieselbe Fahrt kann am Freitagabend mehr kosten als am ruhigen Vormittag. Die Strecke ist gleich, nur der Tarif ist ein anderer.
Alle Gas-Angaben in diesem Guide folgen den Mainnet-Regeln mit Stand Oktober 2026. Das nächste geplante Netzwerk-Upgrade, Glamsterdam (ein Mainnet-Termin steht noch nicht fest), soll die Grundkosten jeder Transaktion neu aufteilen (EIP-2780, noch nicht final). Bleibt es bei der aktuellen Fassung, kostet eine Überweisung an ein bestehendes gewöhnliches Konto weiter 21.000 Gas. Geht ETH dagegen an eine brandneue, leere Adresse, wird deutlich mehr Gas fällig.
Wie werden Ethereum-Gasgebühren berechnet?
Seit das London-Upgrade 2021 EIP-1559 eingeführt hat (ethereum.org: Transactions), gilt als Standardformel:
Gebühr = verbrauchtes Gas × (Base Fee + Priority Fee)
Beide Gebührenteile sind Preise pro Gas-Einheit in Gwei. Multipliziert mit den verbrauchten Einheiten ergibt das die Gesamtgebühr in Gwei, umgerechnet in ETH (ethereum.org: Gas and fees).
Rechenbeispiel: eine ETH-Überweisung
Die Zahlen sind ausgedacht, damit die Rechnung übersichtlich bleibt. Sie geben keinen aktuellen Netzpreis wieder.
Du schickst 0,5 ETH an eine Freundin, deren Adresse ein gewöhnliches Konto ist. Die Überweisung verbraucht 21.000 Gas. In dem Block, der sie aufnimmt, liegt die Base Fee bei 14 Gwei, der tatsächlich gezahlte Tip bei 1 Gwei.
- Preis pro Einheit: 14 + 1 = 15 Gwei
- Gesamtgebühr: 21.000 × 15 = 315.000 Gwei = 0,000315 ETH
- Anteil Base Fee: 21.000 × 14 = 294.000 Gwei = 0,000294 ETH, wird verbrannt
- Anteil Tip: 21.000 × 1 = 21.000 Gwei = 0,000021 ETH, geht an den Validator
Dein Guthaben sinkt um 0,500315 ETH, bei deiner Freundin kommen 0,5 ETH an. Die Gebühr wird zusätzlich zum überwiesenen Betrag fällig und nicht davon abgezogen.
Der effektive Preis pro Gas
Was du am Ende zahlst, richtet sich nach dem effektiven Preis pro Gas: Base Fee des Blocks, der deine Transaktion aufnimmt, plus dem Tip, der tatsächlich anfällt. In der Spezifikation heißt dieser Wert effective_gas_price (EIP-1559). Er liegt oft unter dem Höchstwert, den deine Wallet anzeigt. Denn dieser Höchstwert ist nur die Obergrenze, der du zustimmst.
Was ist die Base Fee?
Die Base Fee ist der Mindestpreis pro Gas, den eine Transaktion bieten muss, um in einen Block zu kommen. Das Protokoll legt ihn fest, weder du noch der Validator. Und sie geht an niemanden: Seit EIP-1559 wird die Base Fee verbrannt, das ETH ist danach dauerhaft aus dem Umlauf (EIP-1559).
Das wird gern übersehen. Wenn es heißt, Validatoren verdienen an Gasgebühren, dann bekommen sie davon nur den Tip. Im Beispiel oben wurden 14 der 15 Gwei pro Einheit verbrannt.
Wie sich die Base Fee von Block zu Block anpasst
Jeder Block hat ein Gas-Ziel, die Hälfte seines Gas Limits. Wie hoch die Base Fee im nächsten Block ist, hängt davon ab, wie voll der vorige Block im Vergleich zu diesem Ziel war (ethereum.org: Gas and fees). Lag er darüber, steigt sie. Lag er darunter, sinkt sie. Genau auf dem Ziel bleibt sie gleich.
Pro Block ändert sie sich um höchstens 12,5 %. Eine angenommene Base Fee von 20 Gwei kann nach einem randvollen Block auf maximal 22,5 Gwei steigen oder nach einem leeren auf 17,5 Gwei fallen. Wegen dieser Deckelung weiß eine Wallet, wie hoch die Base Fee im nächsten Block höchstens sein kann.
Vorhersehbarer heißt aber weder stabil noch günstig. Bleibt die Nachfrage über viele Blöcke hoch, summieren sich die 12,5-%-Schritte, und die Base Fee kann innerhalb weniger Minuten weit nach oben klettern.
Priority Fee, Max Fee und was du wirklich zahlst
Eine EIP-1559-Transaktion hat zwei Preisfelder. Die meisten Wallets füllen sie automatisch aus. Wer weiß, was sie bedeuten, versteht aber, warum Schätzung und tatsächliche Gebühr auseinanderliegen.
Die Priority Fee (Tip)
Die Priority Fee ist der Teil des Preises, der an den Validator geht, der die Transaktion aufnimmt. Sie gibt Validatoren überhaupt erst einen Grund, Transaktionen zu berücksichtigen. Ist der Platz im Block gefragt, kann ein höherer Tip die Chance erhöhen, schon im nächsten Block zu landen (ethereum.org: Gas and fees). Einen festen Platz oder Zeitpunkt kauft aber kein Tip.
maxFeePerGas und maxPriorityFeePerGas
maxPriorityFeePerGasist der höchste Tip pro Gas-Einheit, den du zahlst.maxFeePerGasist der höchste Gesamtpreis pro Gas-Einheit, Base Fee und Tip zusammen (ethereum.org: Transactions).
Beides sind Preise pro Einheit, keine Gesamtbeträge. Zuerst wird die Base Fee bedient, der Tip bekommt den verbleibenden Spielraum, höchstens bis zu seiner eigenen Grenze. Als Formel: gezahlter Tip = min(maxPriorityFeePerGas, maxFeePerGas - baseFeePerGas).
Angenommen, eine Transaktion hat maxFeePerGas bei 40 Gwei und maxPriorityFeePerGas bei 1 Gwei:
- Base Fee 14 Gwei: Genug Luft, der volle Tip von 1 Gwei wird gezahlt, der effektive Preis liegt bei 15 Gwei. Die restlichen 25 Gwei der Obergrenze werden nie ausgegeben.
- Base Fee 39,5 Gwei: Nur noch 0,5 Gwei Luft, der Tip schrumpft auf 0,5 Gwei, der effektive Preis liegt bei 40 Gwei.
- Base Fee über 40 Gwei: Die Transaktion passt nicht in diesen Block. Sie wartet, bis die Base Fee wieder auf oder unter der Grenze liegt, sofern sie nicht vorher ersetzt oder verworfen wird.
Gas Limit und verbrauchtes Gas
Das Gas Limit ist die maximale Zahl an Gas-Einheiten, die eine Transaktion verbrauchen darf (ethereum.org: Transactions). Es zählt Einheiten. maxFeePerGas ist ein Preis pro Einheit. In Wallets stehen beide oft direkt nebeneinander, messen aber Verschiedenes.
Was passiert mit ungenutztem Gas?
Du zahlst nur das Gas, das tatsächlich verbraucht wurde. Die Spezifikation erstattet gas_limit - gas_used zum effektiven Preis (EIP-1559). Im Beispiel von ethereum.org verbraucht eine einfache ETH-Überweisung mit einem Limit von 50.000 nur 21.000 Einheiten, die übrigen 29.000 gibt es zurück.
Deshalb können Gebührenanzeige und Endbetrag so weit auseinanderliegen. Ein angenommener Smart-Contract-Aufruf mit 120.000 Gas Limit und maxFeePerGas von 40 Gwei:
- Obergrenze: 120.000 × 40 Gwei = 4.800.000 Gwei = 0,0048 ETH. Mehr kann es nicht kosten.
- Tatsächliche Gebühr bei 80.000 verbrauchtem Gas und effektiv 15 Gwei: 80.000 × 15 = 1.200.000 Gwei = 0,0012 ETH.
Was eine gescheiterte Transaktion kostet
„Gescheitert“ kann zwei ganz verschiedene Dinge heißen, und die werden unterschiedlich abgerechnet.
Vor der Aufnahme abgelehnt. Eine ungültige Transaktion landet gar nicht erst in einem Block. Das Beispiel von ethereum.org: eine einfache ETH-Überweisung mit 20.000 Gas Limit, also unter den nötigen 21.000. Sie scheitert schon bei der Prüfung und verbraucht kein Gas.
Während der Ausführung gescheitert. Die Transaktion steckt in einem Block, die EVM führt sie aus, und mittendrin geht etwas schief. Alle Zustandsänderungen werden zurückgedreht, der Swap oder die Überweisung findet also nicht statt. Die bis dahin geleistete Arbeit war aber echt, und dafür wird Gas berechnet (ethereum.org: Gas and fees). Wie viel, hängt davon ab, wie sie gescheitert ist. Geht ihr das Gas aus, ist alles bis zum Limit verbraucht. Bricht ein Contract bewusst mit der Anweisung REVERT ab, wird das bis dahin verbrauchte Gas berechnet, der Rest nicht (EIP-140).
„Gescheiterte Transaktionen sind kostenlos“ stimmt also nicht. „Sie kosten immer das volle Limit“ aber genauso wenig.
Sind Layer-2-Gebühren dieselben wie im Mainnet?
Nein, und die Zahlen oben lassen sich nicht eins zu eins übertragen. Layer-2-Netzwerke wickeln Transaktionen außerhalb des Mainnets ab und stützen sich für die Sicherheit auf das Mainnet. Rollups zum Beispiel führen Transaktionen selbst aus und schreiben die Daten dann auf Ethereum (ethereum.org: Scaling). Das Bündeln kann die Kosten pro Nutzer senken. Jedes Netzwerk hat aber eigene Gebührenregeln, und die Details unterscheiden sich stark. Einen festen Rabatt oder einen Tip- oder Gaswert, der für jedes Layer 2 gilt, gibt es nicht. Wie Rollups funktionieren, erklärt der Layer-2-Guide.
Den größeren Zusammenhang findest du unter Was ist Ethereum?, Kurzdefinitionen im Glossar. Die Ethereum-Seite auf CoinVett zeigt einen Marktüberblick zu ETH, unter anderem mit Marktkapitalisierung und Volumen.
Passen Schätzung und Abrechnung nicht zusammen, hilft ein Blick auf die Transaktion in einem Block-Explorer: Verbrauchtes Gas mal effektivem Gaspreis ergibt genau das, was du gezahlt hast.
Häufige Fragen
Ist das Gas Limit der ETH-Betrag, den ich zahle?
Nein. Das Gas Limit ist die maximale Zahl an Gas-Einheiten, die die Transaktion verbrauchen darf, kein ETH-Betrag. Die Gebühr ist das tatsächlich verbrauchte Gas mal dem effektiven Preis pro Einheit. Nicht genutzte Einheiten werden nicht berechnet.
Wer bekommt die Base Fee und den Tip?
Die Base Fee bekommt niemand: Sie wird nach EIP-1559 verbrannt und ist damit aus dem Umlauf. Der tatsächlich gezahlte Tip geht an den Validator, der die Transaktion aufgenommen hat. Der Validator erhält also den Tip, nicht die ganze Gebühr.
Zahle ich Gas, wenn eine Ethereum-Transaktion fehlschlägt?
Kommt darauf an, wo sie scheitert. Wird sie vor der Aufnahme in einen Block als ungültig abgelehnt, kostet sie kein Gas. Wird sie aufgenommen und scheitert erst bei der Ausführung, werden ihre Zustandsänderungen zurückgedreht, das verbrauchte Gas zahlt sie trotzdem. Ist ihr das Gas ausgegangen, zahlt sie alles bis zum Limit.
Hinweis: Alle Gebührenzahlen in diesem Guide sind ausgedachte Beispiele, keine aktuellen Netzpreise; die Quellen sind im Text verlinkt. Nur zur Information, keine Anlageberatung.