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Fear & Greed Index: Was die Zahl wirklich misst

Sechs Datenquellen, eine Zahl von 0 bis 100. Wie der Fear & Greed Index entsteht, was seine Extremwerte bedeutet haben und wo die Fehlschlüsse liegen.

Autor: CoinVett TeamVeröffentlicht: 13. September 20266 Min. Lesezeit
InsightsFear & GreedSentimentMarktdatenBitcoin

Die Zahl auf unserer Fear-&-Greed-Seite ist keine Umfrage und keine Kursprognose. Sie ist ein gewichteter Mix aus sechs Datenströmen, den Alternative.me seit Februar 2018 einmal täglich veröffentlicht. Und sie beschreibt Bitcoin. Nicht „den Kryptomarkt“. Bitcoin.

Allein dieser Punkt räumt die Hälfte der Missverständnisse aus dem Weg.

So kommt die Zahl zustande

Alternative.me legt das Rezept offen. Jede Komponente wird mit ihrem eigenen 30- und 90-Tage-Durchschnitt verglichen. Der Index reagiert also auf ungewöhnliches Verhalten, nicht auf absolute Werte.

KomponenteGewichtWas gemessen wird
Volatilität25 %Aktuelle Schwankung und maximaler Drawdown gegenüber dem 30/90-Tage-Schnitt. Ein Ausschlag nach oben zählt als Angst.
Momentum & Volumen25 %Kaufvolumen in einem steigenden Markt, wieder gegen dieselben Durchschnitte. Hohes Volumen bei grünen Kursen zählt als Gier.
Social Media15 %Anzahl und Interaktionsgeschwindigkeit von Beiträgen unter Bitcoin-Hashtags. Ungewöhnlich viel Aufmerksamkeit zählt als Gier.
Umfragen15 %Wöchentliche Polls mit 2.000 bis 3.000 Stimmen. Derzeit pausiert.
Bitcoin-Dominanz10 %Steigender BTC-Anteil an der Gesamtmarktkapitalisierung gilt als Flucht in Sicherheit (Angst), fallende Dominanz als Risikohunger (Gier).
Google Trends10 %Veränderung des Suchvolumens und verwandte Suchanfragen. Trendet „bitcoin price manipulation“, ist das Angst; „how to buy bitcoin“ ist Gier.

Das Ergebnis landet auf einer Skala von 0 bis 100. Unsere Seite teilt sie so ein: 0 bis 24 ist Extreme Angst, 25 bis 44 Angst, 45 bis 55 Neutral, 56 bis 74 Gier und ab 75 Extreme Gier. Andere Seiten ziehen die Linien ein paar Punkte anders. Diese Grenzen sind Konventionen. Niemand hat sie auf statistische Aussagekraft geprüft.

Zwei Dinge fallen in der Tabelle auf. Die Hälfte des Index stammt direkt aus Kurs- und Volumendaten, er misst also zum Teil, was der Chart sowieso schon zeigt. Und weil die Umfragen pausieren, fehlen 15 % der veröffentlichten Gewichtung im Live-Wert. Wie dieses Gewicht umverteilt wird, ist nirgends dokumentiert.

Was die Extremwerte historisch bedeutet haben

Auf 10 oder darunter ist der Index an 69 der 3.143 Tageswerte seit Februar 2018 gefallen, verteilt auf 17 einzelne Episoden (eine Pause von mehr als einer Woche zählt als neue Episode). Die älteren: rund um das Tief im Dezember 2018 bei etwa 3.200 US-Dollar, im Crash vom März 2020 (bis auf 8) und während der Entschuldungswelle 2022, mit 8 im Mai nach dem Terra-Zusammenbruch und 6 im Juni während der Celsius-Abwicklung. Die jüngeren wiegen genauso schwer. 32 dieser 69 Tage liegen nach Januar 2025, fast alle davon im Jahr 2026: Zwischen Anfang Februar und Anfang März 2026 lag der Index an 19 Tagen bei 10 oder darunter, verteilt über knapp fünf Wochen und nicht am Stück, darunter der tiefste Wert des gesamten Datensatzes, eine 5, die zuvor nur im August 2019 gedruckt worden war; ein kleinerer Schub mit sieben solchen Tagen folgte von Ende März bis Anfang April, drei weitere kamen im Juni 2026 dazu (Stand: Mitte September 2026). Extreme Angst ist also kein Museumsstück. Rückblickend lagen die meisten dieser Phasen in der Nähe eines Mehrmonats- oder Zyklustiefs. Aber nicht alle: Der FTX-Kollaps im November 2022 hat den Index nie unter 20 gedrückt, obwohl der Kurs genau in diesem Monat sein Zyklustief markierte.

Am gierigen Ende ist das Bild unschärfer. Im Februar 2021 stand der Index bei 95, Bitcoin bei rund 58.000 US-Dollar. Der Kurs stieg danach noch zwei Monate weiter bis zum Hoch im April. Als Bitcoin im November 2021 sein damaliges Allzeithoch bei etwa 69.000 US-Dollar erreichte, kam der Index nur noch auf 84. Hoch, aber deutlich unter den 95 von neun Monaten zuvor bei niedrigerem Kurs. Die Stimmung kühlte bereits ab, während der Preis neue Hochs machte.

Auf unserer Fear-&-Greed-Seite steht außerdem eine kleine Tabelle mit gerundeten Referenzwerten je Zone: grob, wie sich Bitcoin in früheren Phasen über die folgenden 30 und 90 Tage bewegt hat. Lies sie als Größenordnung, nicht als Backtest. Die Zahlen sind gerundet, beruhen auf wenigen Episoden, kommen ohne veröffentlichten Stichprobenumfang, und die Streuung darum herum ist riesig. Die Seite sagt das in ihrer Fußnote selbst.

Vier typische Fehlschlüsse

1. Den Index als Timing-Signal lesen

„Extreme Angst, jetzt handeln“ ist der häufigste Fehler. Ende 2018 lag der Index wochenlang bei 20 oder darunter, 2022 sogar an 62 Tagen in Folge, von Anfang Mai bis Anfang Juli. Wer auf den ersten Wert unter 20 im Mai reagierte, sah Bitcoin in den folgenden sechs Wochen fast die Hälfte seines Wertes verlieren, während der Index einfach unten blieb. Er beschreibt eine Marktphase, keinen Tag.

2. Den Index auf Altcoins übertragen

Volatilität, Momentum und Dominanz sind Bitcoin-spezifische Eingaben. Ein Altcoin kann 60 % verlieren, während der Index Neutral anzeigt, weil Bitcoin in der Woche nichts gemacht hat. Wer etwas anderes als BTC hält, erfährt vom Index etwas über die Gezeiten, nicht über das eigene Boot.

3. Den Index für vorauslaufend halten

Weil die Hälfte der Gewichtung aus Kurs und Volumen kommt, bestätigt der Index meist, was schon passiert ist. Ein Crash erzeugt Volatilität, Volatilität erzeugt einen niedrigen Wert. Das ist keine Prognose, sondern eine Zusammenfassung der letzten Tage mit einem Stimmungsetikett dran.

4. 50 für „ausgeglichen“ halten

Neutral ist ein Band, keine Fair-Value-Schätzung. Eine 48 nach drei Wochen in den 80ern bedeutet etwas völlig anderes als eine 48 nach drei Wochen bei 15. Richtung und Dauer tragen mehr Information als das Niveau. Deshalb steht auf unserer Seite direkt unter der Tagesanzeige der Verlaufschart, umschaltbar von 30 Tagen bis zum kompletten Datensatz. Schau auf die Linie, bevor du auf die Nadel schaust.

Mit anderen Signalen kombinieren

Für sich allein ist der Index ein Stimmungsthermometer. Nützlich wird er, wenn du ihn neben Daten legst, die etwas anderes messen.

  • Bitcoin-Dominanz und Gesamtmarktkapitalisierung in unserer Marktübersicht. Angst bei steigender Dominanz ist eine andere Marktphase als Angst bei fallender Dominanz (Letzteres heißt meist: Altcoins werden härter verkauft als BTC).
  • Volumen. Ein niedriger Wert bei dünnem Volumen ist Gleichgültigkeit. Ein niedriger Wert bei Rekordvolumen ist Kapitulation. Der Index unterscheidet das nicht, die Volumenzahl schon.
  • Makro-Kontext. Die FRED-Indikatoren in der Marktübersicht (Leitzins, Inflation, Dollar-Index) erklären einen Großteil der monatelangen Angstphasen seit 2022. Die Kryptostimmung dreht selten, solange die sich gegen sie bewegen.
  • Verweildauer in der Zone. Zähl die Tage. Drei Tage Extreme Angst nach einer Liquidationskaskade sind Rauschen. Sechs Wochen davon sind eine Marktphase.

Eine einfache Routine: Zone notieren, Richtung der letzten zwei Wochen notieren, prüfen, ob Volumen und Dominanz dazu passen. Zeigen alle drei in dieselbe Richtung, beschreibt das Etikett wahrscheinlich etwas Echtes. Widersprechen sie sich, ist das Etikett das schwächste der drei.

Wofür der Index taugt

Er ist eine schnelle, konsistente und kostenlose Referenz für die Frage „Wie fühlt sich die Masse gerade bei Bitcoin?“, mit mehr als acht Jahren täglicher Historie im Rücken. Das ist tatsächlich wertvoll, um die eigene Reaktion einzuordnen. Nervös zu werden, wenn der Index bei 12 steht, ist der Zustand der Masse, keine Information über die Zukunft.

Was er nicht ist: ein Signalgeber, ein Altcoin-Indikator oder ein Ersatz für den Blick auf die eigentlichen Marktdaten. Alternative.me schreibt das in seinem eigenen Disclaimer genauso.

Den aktuellen Wert und die komplette Historie findest du auf unserer Fear-&-Greed-Seite. Die Daten kommen täglich von Alternative.me.

Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ist keine Finanzberatung. Historische Muster beschreiben die Vergangenheit und sagen nichts über künftiges Marktverhalten aus.

Dieser Inhalt wurde unter Einsatz generativer KI erstellt. Mehr erfahren

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